Versuch # 01 | Der Garten 02 - Ingolf WatzlawIngolf Watzlaw
Versuch # 01 | Der Garten 02


 
„Heaven
Heaven is a place
A place where nothing
Nothing ever happens“
Talking Heads

 
Vom Paradies 02
 
Die Sache ist ziemlich klar. Es gibt gar kein Paradies. Es hat wohl nie eines gegeben und es wird nie eines geben. Überhaupt, was soll das eigentlich sein? Das Paradies ist eine irgendwie komische Vorstellung von einem Ort an dem alles irgendwie stimmt. Kein Hunger, keine Nervensägen, kein Müssen oder Sollen, nur ein sich den Wonnen ergebendes Sein. Wie schön.
Die Vorstellung der absoluten Erfüllung setzt die Vorstellung der absoluten Leere voraus. Nur dort wo etwas fehlt kann etwas erfüllt werden. Die Utopie des paradiesischen Ortes setzt voraus, das immer irgend etwas fehlt oder nicht richtig ist. Erst das Gefühl des Mangels lässt uns einen Ort suchen an dem es eben diesen Mangel nicht gibt. Genau betrachtet fehlt dann aber das Gefühl des Begehrens, denn was sollen wir begehren wenn alles längst erfüllt ist? Und ist nicht das Begehren der Antrieb schlechthin, der uns erst in Bewegung versetzt? Was also sollte uns überhaupt noch bewegen an jenem paradiesischen Ort?
Es wäre sterbenslangweilig dort gerade weil es uns an nichts mehr fehlt. Kein Wunsch der uns antreibt, nichts, rein gar nichts würde mehr passieren. Die endlose Wiederholungsschleife des immer Gleichen erwartet die Paradiessuchenden. Aus dem kurzen Glücksgefühl endlich angekommen zu sein wird endlose Langeweile. „Der Himmel“ singen die Talking Heads, „ist ein Ort, an dem niemals etwas passiert“.